Edition Minerva: Katalog 2014

Tafelzeremoniell in Europa 1300 – 1900

Tafel Zeremonien und Rituale gehörten in der vormodernen Gesellschaft zu den wichtigsten Formen der Kommunikation. Sie dienten der Mitteilung von Inhalten des Glaubens, des Rechts und der Herrschaft, ebenso wie der Demonstration bestimmter Gruppenzugehörigkeiten. In unserer von visuellen Medien geprägten Zeit haben diese nicht-verbalen Verständigungsformeln wieder an Bedeutung gewonnen. Während das gemeinsame Essen heute ein beliebter Anlass zur zwanglosen Geselligkeit und leiblichem Genuss ist, entwickelte sich das Speisen an den Höfen seit dem späten Mittelalter zu einem reglementierten Akt, in dem sich die Fürsten regelmäßig dem Hofstaat und den Untertanen zur Schau stellten. Sie nutzten das gleichermaßen sinnliche wie sinnfällige Schauspiel des öffentlichen Tafelns, um die Bevölkerung in Staunen zu versetzen und den Adel immer wieder aufs neue an seine Stellung innerhalb der höfischen oder der Reichshierachie zu erinnern. Bis ins 19. Jahrhundert war das gemeinsame öffentliche Speisen konstitutiver Bestandteil politisch-dynastischer Hauptereignisse wie bei Krönungen und Erbhuldigungen. Die Geräte für das Tafelzeremoniell waren in der Regel aus Edelmetall geschaffen und somit nicht nur besonders wertvoll, sondern auch besonders haltbar. Die goldenen und silbernen Tischutensilien waren nicht nur wirtschaftliche Potenz, sondern wurden auch über Genrerationen weitergegeben und gemeinschaftlich genutzt. Das Deutsche Historische Museum Berlin zeigt erstmals in einer Ausstellung unverzichtbare Elemente dieses „Tafelzeremoniells“. Gezeigt werden Objekte aus Edelmetall sowie gedeckte Tafeln: z.B. „à la russe“. Gegenübergestellt werden auch die spezifischen Ausprägungen des Tafelzeremoniells an den europäischen Höfen zwischen London, Rom, Paris und Berlin.

Hans Ottomeyer/Michaela Völkel
Tafelzeremoniell
Formen europäischen  Hofzeremoniells

320 Seiten,
264 Abb., davon 151 in Farbe,
21 x 28 cm, gebunden mit Schutzumschlag.
EUR 52,00 / SFr 91,00
ISBN 978-3-932353-68-0

Stand: November 2011. Irrtümer und Änderungen vorbehalten

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